Lernen mit Pokemon-Karten
Im Laufe des 2. Kindergartenjahres teilte uns Tim mit: “Meine Bagger-Phase ist jetzt vorbei.” (Bisher waren Bagger sein ein und alles). Und so war es dann auch. Stattdessen rückte an diese Stelle ein neues Interesse: Pokemon.
Während mein Mann gelassen blieb, war ich zunächst geradezu entsetzt. Sich gegenseitig bekämpfende Phantasiewesen standen schließlich im Kreise der engagierten Kindergarten-Mütter alles andere als hoch im Kurs. Aber die Pokemon-Begeisterung von Tim und vieler anderer Kinder aus seiner Kindergartengruppe ließ sich nicht so einfach unterdrücken. Genährt wurde sie von denjenigen, die im Fernsehen alles sehen durften und die grundsätzlich mit Spielzeug aller Art geradezu überversorgt waren.
Schließlich entschied ich mich, die Sache unvoreingenommen anzugehen. Ich sah mir einige der Fernsehfolgen an und konnte das Entsetzen eigentlich nicht teilen. Pikachu war recht niedlich, die Arenakämpfe der Pokemon konnte man irgendwie als Sport begreifen, und die Story war meist einfach, aber kindgerecht. Schließlich kämpft auch in klassischen Märchen Gut gegen Böse. Wie so oft war es unter den Müttern nur die Angst vor dem, was man nicht kennt.
Letztlich konzentrierte sich das Hauptinteresse der Kinder eh auf die Sammelkarten. Der Versuch, all die unterschiedlichen Pokemon mit ihren Eigenschaften und ihre Weiterentwicklungen auch zu lernen, scheiterte bei mir allerdings. Und Kinder freut das, in dieser Welt sind sie die Fachleute.
Im Laufe der Jahre haben sich mehrere Hundert Karten gesammelt, die wir größtenteils sehr günstig auf Kindertrödelmärkten erworben haben. Sie haben meinen Sohn ca. 5 Jahre seiner Kindheit treu begleitet.
Sie halten die Beschäftigung mit diesen Karten für Zeitverschwendung, weil man mit diesem “Fachwissen” später überhaupt nichts anfangen kann? Der Schein trügt. Mein Sohn hat mit seinen Pokemonkarten weit vor der Einschulung lesen und den Umgang mit Zahlen gelernt. Fähigkeiten die für das Spielen mit den Karten letztlich unerlässlich sind. Denn auf Dauer finden das Kind keinen Erwachsenen, der einem ständig die Karten vorliest. Und ist auf die älteren Spielgefährten wirklich Verlass?
Diese Motivation ist besser als jedes Leselernspiel. Die Karten schulen außerdem das faire Handeln und Tauschen mit Gleichgesinnten sowie das systematische Ordnen und Kategorisieren im Umgang mit Daten (jedes Pokemon hat einen Typ, KP-Punkte für ihre Stärke, Schwächen und Resistenzen, Attacken unterschiedlicher Art, Entwicklungsstufen, usw., eine in sich völlig ausgetüftelte Welt an konkreten Daten), und sogar seine ersten englischen Wörter stammten von einigen Karten, die er nur in englischer Sprache besaß.
Auch seine ersten Schritte im Umgang mit Grafiksoftware hat Tim mit Pokemonkarten erlernt. An der oben zu sehenden selbst erstellten Pokemonkarte hat er viele Stunden gesessen und sich dabei so manchen Kniff des Grafikdesigns aneignen müssen.































7. Oktober 2008 am 11:24 am
Auch mein Sohn (8) hat ungeheuer viel mit den Karten gespielt. Ich finde gut, dass du in deinem Artikel die Karten nicht verteufelst, sondern sie als was positives dastellst.
23. Februar 2009 am 10:54 pm
Hallo Silvia,
ich bin nicht 100%ig überzeugt von Pokemon und Co. im Fernsehen, es sind teilweise so schnelle Bilder, die ein Kind oft nicht so schnell verarbeiten kann.
Aber ich bin überrascht was das Spielen mit den Karten doch alles fördern kann. Ganz toll finde ich, wie kreativ Tim war, beim Selbstgestalten einer Karte.
Liebe Grüße,
die ergobloggerin
21. April 2010 am 6:11 pm
wer ist du der macht so was nicht
19. Juni 2010 am 1:34 pm
kules pokemon