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Kategorie Dezember, 2008

Sprachentwicklung: Soll ich mein Kind immer verbessern?


“Ich hab Ball geseht.” – “Nein, das heißt: Ich hab den Ball gesehen!”

mutter-und-kind

Bei Menschen, denen korrektes Sprechen wichtig ist, hält sich hartnäckig die Angewohnheit, ihre Kinder ständig zu verbessern, wenn sie Wörter falsch sprechen oder grammatikalische Fehler machen. Diese ständigen Unterbrechungen stören aber den natürlichen Redefluss des Kindes und lenken unentwegt vom Kern ab. Wir sollten nie vergessen, dass Sprache die Aufgabe hat, sich anderen verständlich zu machen und ihnen etwas mitzuteilen. Und dazu reichen die “falschen” Sätze unserer Kleinen in der Regel völlig aus. Uns selber würde es doch auch nerven, wenn wir in England nach dem Weg fragen, etwas im Restaurant bestellen oder uns nett unterhalten und unser Gegenüber uns ständig unterbrechen würde, um uns zu verbessern. Und das, obwohl er genau verstanden hat, was wir meinen. Aber wie soll das Kind denn dann korrekt sprechen lernen, wenn es nie von  uns auf Fehler hingewiesen wird? Ist es nicht doch besser, wenn wir unsere Kinder direkt verbessern, wenn sie etwas Falsches sagen? Nein! Kinder lernen die korrekten gramatischen Formen und die richtige Aussprache von ganz allein. Sie orientieren sich an ihren Vorbildern – also an uns! Es gibt eine einfache und sehr effektive Möglichkeit Kinder sprachlich zu fördern, ohne dass das Gespräch gestört wird. Man wiederholt in seiner Antwort den Satz des Kindes in seiner verbessertenVersion. Im Eingangsbeispiel sieht das zum Beispiel so aus:

“Ich hab den Ball geseht.” ” Oh, du hast den Ball gesehen, das ist ja toll. Wo ist er denn?”

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Intuition und Denken fördern mit Rätselgeschichten von CUS


“Ein Mann schwitzt stark. Trotzdem hat er Handschuhe an. Warum?” (Stufe 1)

“Romeo und Julia liegen tot auf dem Boden. Das Fenster steht offen, am Boden eine Wasserlache. Was ist passiert?” (Stufe 2)

“Alle Welt schaut ihnen zu. Nur Michael, der tausendmal näher dran war als alle anderen, sah nichts. Warum?” (Stufe 3)

“Weil er unabsichtlich den Auslöser drückte, musste er sterben. Was ist passiert?” (Stufe 4)

Vielleicht kennen Sie solche Rätselgeschichten auch noch aus ihrer Kinder- und Jugendzeit. Jemand schildert eine alltägliche, manchmal auch ungewöhnliche oder schaurige Situation und die anderen müssen durch geschickte Ja-Nein-Fragen das Geschehene Stück für Stück enträtseln.

Im Urlaub haben wir mit unseren Bekannten einen ganzen Abend mit dem Rekonstruieren verbracht und unsere Kinder hatten jede Menge Spaß genauso wie wir Eltern.

Mittlerweile stießen wir in der Buchhandlung auf eine ganze Sammlung solcher Rätsel, und zwar das erste Rätselbuch von dem populären Rätselerfinder CUS: “Was ist hier passiert?”. Darin hat der Autor einerseits mehr oder weniger bekannte Rätsel gesammelt und zum anderen eigene Rätsel entwickelt. (CUS ist übrigens ein Pseudonym aus den Initialen des Autors. Der bekannteste Rätselautor Deutschland hat sich selbst auch zu einem Mystery gemacht. Man weiß nämlich weder seinen Namen noch seinen genauen Wohnort in Bayern und auf Fotos sieht man ihn mit großer, schwarzer Brille oder nur seinen Schatten.)
Das Buch hat insgesamt 155 Mysteries, die in 4 Schwierigkeitsgrade unterteilt sind (leichte, mittelschwere, schwierige und hammerharte Rätsel).  Am Ende des Buches findet man zu jedem Rätsel zwei Tipps, die einem auf die Sprünge helfen sollen, falls einem die Ideen ausgehen. Die Lösungen der Rätsel finden sich natürlich auch am Ende.
Seither rätseln wir regelmäßig gemeinsam – z. B. wenn es mal wieder den ganzen Tag draußen regnet, auf langen Autofarten, auf Spaziergängen oder einfach nur so. Dabei wechseln wir uns mit der Rolle des Rätselstellers ab. Dieser schaut in der Lösung nach, liest die beiden Tipps und stellt dann die Situation vor. Die anderen dürfen raten. Tim kann davon gar nicht genug bekommen. Es macht ihm besonders Spaß, uns beim verzweifelten Suchen nach der richtigen Lösung zuzusehen und mit diebischer Freude immer wieder “Nein!” zu verkünden. Genauso freut er sich aber auch, wenn sich beim Raten der plötzliche Aha-Effekt einstellt und er die richtige Lösung erkennt. Meiner Erfahrung nach ist es für Kinder allerdings frustrierend, wenn sie der Lösung über einen längeren Zeitraum scheinbar nicht näher kommen. Das tritt bei kleinen Kindern natürlich meist schneller ein als bei größeren. Diese Frustrationsgrenze sollte man auf keinen Fall überstrapazieren, da das ganze ja Spaß machen soll. Die beiden im Buch vorgeschlagenen Tipps kommen hier meist genau richtig. Manchmal hilft es den Kindern aber auch, wenn man auf entscheidene Fragen doch etwas mehr als nur “ja” oder “nein” antwortet. Auch in einem etwas größeren Rateteam lässt sich anhaltende Ratlosigkeit natürlich länger und leichter ertragen als allein.
Mitspieler, die den für diese Rätsel typischen Geistesblitz haben, können dem Rätselsteller ihre Lösung leise mitteilen und dann beim Beantworten der Fragen helfen, so dass die anderen auch noch die Chance auf das tolle Gefühl haben, das sich einstellt, wenn die Ratenuss geknackt ist.
Toll bei diesen Rätseln ist, dass sie das Querdenken fördern. Die Lösung ist meist simpel und lediglich unsere eingeschränkte Sichtweise verhindert, dass wir die Rätsel auf Anhieb lösen. Auch im realen Leben liegt die Lösung von Problemen oft darin, dass man eine andere Perspektive einnimmt. Um die Rätsel zu lösen braucht man zwei Dinge: Methodik und Intuition.
Während in der Schule methodisches Vorgehen gezielt trainiert wird, wird die Förderung der Intuition oft bei der Erziehung vernachlässigt. Hier bieten diese Rätsel also einen sehr sinnvollen Nebeneffekt.

Wer also noch etwas für Weihnachten oder einen Geburtstag sucht, ich kann dieses Buch uneingeschränkt empfehlen:


PS: Die einzige “aus dem Rahmen fallende” 2-Sterne-Rezension bei Amazon bezieht sich nicht auf diesen ersten Band von CUS, sondern auf das Nachfolgerbuch.

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Lese-Rechtschreib-Schwäche (LRS) – Früherkennung und Vorbeugung bereits im Kindergarten möglich!


Die Legasthenie, auch Lese- Rechtschreib-Schwäche (LRS) genannt, macht den Schulbesuch für viele Kinder und Jugendliche zur Tortur, da schnelles, flüssiges Lesen und regelgerechtes Schreiben in fast allen Schulfächern notwendig sind und später einfach vorausgesetzt werden. Obwohl es Förderunterricht gibt und die LRS auch bei der Notenfindung vom Lehrer berücksichtigt werden kann, haben es Legastheniker in den staatlichen Regelschulen schwer.

Um so erstaunter war ich, als an einem Elternabend in Tims Kindergarten ein Test und ein darauf aufbauendes Förderprogramm vorgestellt wurde, das in der Lage ist, die Anzahl der Kinder mit Lese- und Rechschreib-Schwierigkeiten drastisch zu senken.

Alle Vorschulkinder nahmen im Einvernehmen mit ihren Eltern zunächst kostenlos am Bielefelder Screening (kurz:BISC) teil. Dabei handelt es sich um einen normierten Test, der zuverlässig vorschulische Schriftsprachvoraussetzungen erfasst. Der Test ermöglicht also bereits vor der  Einschulung eine Früherkennung von möglichen Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten bei Vorschulkindern.

Jedes Kind wurde ca. 25 Minuten einzelnd getestet, die Ergebnisse  in einem Protokollbogen vermerkt und die ausgewerteten Ergebnisse dann später mit den Eltern besprochen. Die Aktion selbst hat meinem Sohn und allen anderen Kindern, die ich gesprochen habe, riesig Spaß gemacht.

Im Kindergarten: lauschen-hören-lernen

Im Kindergarten: lauschen-hören-lernen

Alle Kinder, bei denen ein Risiko festgestellt wurde, hatten anschließend die Möglichkeit über einen Zeitraum von 20 Wochen ebenfalls kostenlos an dem Würzburger Trainingsprogramm: “hören-lauschen-lernen” teilzunehmen. Das Gruppentraining  wird etwa 10 Minuten täglich durchgeführt und besteht aus sechs Übungseinheiten, die inhaltlich aufeinander aufbauen. (Lauschspiele, Reime, Sätze und Wörter, Silben, Anlaute, Phoneme[Laute]). Es fördert so spielerisch das phonologische Bewusstheit, also die Einsicht in die Lautstruktur der gesprochenen Sprache. Die Kinder trainieren zunächst das gezielte Hinhören und lernen dann, dass die gesprochene Sprache nicht nur eine Bedeutung hat, sondern auch eine Form, die man erhören kann. Zunächst wird das Augenmerk dabei auf die Gliederung in Sätze und Wörter gerichtet, dann werden die Struktureinheiten zunehmend kleiner bis hin zu eizelnen Lauten. Zudem wird durch das Training das Lang- und Kurzzeitgedächtnis aktiviert.

Das Programm hat aber auch den Anspruch, den Kindern Freude im Umgang mit der Sprache zu vermitteln. Die Kinder müssen dabei nicht still auf ihrem Platz sitzen, sondern sind aktiv und alle Sinne werden angesprochen. Toll!

Ich finde es sehr schade, dass nicht alle Kindergärten diese Möglichkeiten der Förderung nutzen und auf diese Weise vielen Kindern eine steinige Schulzeit erspart bleibt. Hier in unserer Umgebung bieten nur evangelische Kindergärten dieses Trainingsprogramm an. Aber das muss ja nicht so bleiben! Fragen Sie doch einfach in Ihrem Kindergarten nach diesem Programm oder schlagen Sie es vor.

Wer Interesse am Würzburger Trainingsprogramm hat, kann es in Buchform erwerben. Außerdem gibt es mittlerweile auch eine Multimediaversion, die bereits die meisten Übungen und Spiele in interaktive Multimediaspiele umgesetzt hat.


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