Sprachentwicklung: Soll ich mein Kind immer verbessern?
“Ich hab Ball geseht.” – “Nein, das heißt: Ich hab den Ball gesehen!”

Bei Menschen, denen korrektes Sprechen wichtig ist, hält sich hartnäckig die Angewohnheit, ihre Kinder ständig zu verbessern, wenn sie Wörter falsch sprechen oder grammatikalische Fehler machen. Diese ständigen Unterbrechungen stören aber den natürlichen Redefluss des Kindes und lenken unentwegt vom Kern ab. Wir sollten nie vergessen, dass Sprache die Aufgabe hat, sich anderen verständlich zu machen und ihnen etwas mitzuteilen. Und dazu reichen die “falschen” Sätze unserer Kleinen in der Regel völlig aus. Uns selber würde es doch auch nerven, wenn wir in England nach dem Weg fragen, etwas im Restaurant bestellen oder uns nett unterhalten und unser Gegenüber uns ständig unterbrechen würde, um uns zu verbessern. Und das, obwohl er genau verstanden hat, was wir meinen. Aber wie soll das Kind denn dann korrekt sprechen lernen, wenn es nie von uns auf Fehler hingewiesen wird? Ist es nicht doch besser, wenn wir unsere Kinder direkt verbessern, wenn sie etwas Falsches sagen? Nein! Kinder lernen die korrekten gramatischen Formen und die richtige Aussprache von ganz allein. Sie orientieren sich an ihren Vorbildern – also an uns! Es gibt eine einfache und sehr effektive Möglichkeit Kinder sprachlich zu fördern, ohne dass das Gespräch gestört wird. Man wiederholt in seiner Antwort den Satz des Kindes in seiner verbessertenVersion. Im Eingangsbeispiel sieht das zum Beispiel so aus:
“Ich hab den Ball geseht.” ” Oh, du hast den Ball gesehen, das ist ja toll. Wo ist er denn?”

