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Artikel zum Schlagwort Vorbildfunktion

Sprachentwicklung: Soll ich mein Kind immer verbessern?


“Ich hab Ball geseht.” – “Nein, das heißt: Ich hab den Ball gesehen!”

mutter-und-kind

Bei Menschen, denen korrektes Sprechen wichtig ist, hält sich hartnäckig die Angewohnheit, ihre Kinder ständig zu verbessern, wenn sie Wörter falsch sprechen oder grammatikalische Fehler machen. Diese ständigen Unterbrechungen stören aber den natürlichen Redefluss des Kindes und lenken unentwegt vom Kern ab. Wir sollten nie vergessen, dass Sprache die Aufgabe hat, sich anderen verständlich zu machen und ihnen etwas mitzuteilen. Und dazu reichen die “falschen” Sätze unserer Kleinen in der Regel völlig aus. Uns selber würde es doch auch nerven, wenn wir in England nach dem Weg fragen, etwas im Restaurant bestellen oder uns nett unterhalten und unser Gegenüber uns ständig unterbrechen würde, um uns zu verbessern. Und das, obwohl er genau verstanden hat, was wir meinen. Aber wie soll das Kind denn dann korrekt sprechen lernen, wenn es nie von  uns auf Fehler hingewiesen wird? Ist es nicht doch besser, wenn wir unsere Kinder direkt verbessern, wenn sie etwas Falsches sagen? Nein! Kinder lernen die korrekten gramatischen Formen und die richtige Aussprache von ganz allein. Sie orientieren sich an ihren Vorbildern – also an uns! Es gibt eine einfache und sehr effektive Möglichkeit Kinder sprachlich zu fördern, ohne dass das Gespräch gestört wird. Man wiederholt in seiner Antwort den Satz des Kindes in seiner verbessertenVersion. Im Eingangsbeispiel sieht das zum Beispiel so aus:

“Ich hab den Ball geseht.” ” Oh, du hast den Ball gesehen, das ist ja toll. Wo ist er denn?”

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Neulich an der Ampel


In der Dortmunder City stand ich letzte Woche gemeinsam mit einer Menge anderer Menschen – unter anderem zwei bunt gekleideten Punkerinnen – an einer Ampel. Uns gegenüber wartete ein kleiner Junge mit seiner Mutter auf seinem Laufrad. Als es schließlich grün wurde, setzte er sich in Bewegung und fuhr geradewegs auf uns zu. Die beiden Mädchen waren von dem Kleinen ganz entzückt und eine sagte: ” Guck mal, der Kleine auf seinem Fahrrad!” Daraufhin blieb der Junge abrupt stehen, drehte sich um und rief laut: “Hey!” Die beiden stoppten erstaunt und drehten sich zu ihm um. Der Junge streckte sich noch einmal und sagte bestimmt: ”Das ist kein Fahrrad – das ist ein Motorrad.” Während die beiden Punkerinnen beeindruckt lachten, fuhr der Junge weiter.

Immer wieder musste ich im Laufe der Woche an diesen Winzling denken und schmunzeln. Trotz seines geringen Alters – schätzungsweise nicht einmal 3 Jahre – handelte er völlig selbstständig. Die Mutter des kleinen Jungen trat bei dem Ganzen gar nicht in Erscheinung. Selbstbewußt löste er das unerwartete “Problem” allein. Mit überzeugender Körperhaltung ebenso wie durch den Einsatz seiner Stimme verschafft er sich Respekt und tritt für seine “Überzeugungen” ein. Kurz, direkt und unmittelbar.

Soll Ihr Kind auch so selbstbewusst handeln? Sie wissen ja, dass Kinder uns Eltern als Vorbilder für eigene Verhaltensmuster nehmen. Und wie ist das bei uns? Handeln wir jederzeit selbstbewusst und sind unseren Kindern somit ein gutes Vorbild? Oder machen wir manchmal im entscheidenen Moment den Mund nicht auf, und schwupps- schon ist die Situation verpasst? Man hat dem Gegenüber nicht gesagt, das man anderer Meinung ist, den eigenen Standpunkt nicht klargemacht oder verteidigt, das Richtige zum rechten Zeitpunkt nicht ausgesprochen. Dementsprechend kreisen unsere Gedanken oft noch Tage später um vergangene Probleme und versäumte Chancen. Ein entscheidenden Impuls diesbezüglich stammt aus dem Taoismus, einer jahrtausende alten Denkrichtung aus dem alten China: handle aus einer speziellen Geisteshaltung heraus ganz spontan und intuitiv – “aus dem Bauch heraus” – und du wirst stets das Richtige tun (doch hierzu später mehr in einem kommenden Artikel).

Für heute daher nur:

Wollen wir unsere Kinder stärken oder verändern, sollten wir zunächst uns selbst stärken oder verändern. Fangen Sie stets bei sich selbst an und beobachten Sie voller Freude, wie sich auch ihre Kinder ändern.

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